Phase 4: Die lange Rallye von 2003 - 2012

 

Welt-Goldproduktion im Zeitraum 2002 bis 2012

 

In die vierte Phase der Goldproduktion fiel ein in dieser Dimension bisher nie erlebter Anstieg des Goldpreises von ca. 270 Dollar auf über 1.800 Dollar in der Spitze. Die Umsätze der Bergbaugesellschaften stiegen kräftig dank des einzigartigen Preisschubs am Markt. Die  die Goldproduktion in den Minen kam jedoch erst verzögert der steigenden Nachfrage nach.

Wie die obige Abbildung zeigt, fiel die Goldproduktion nach einem vorläufigen Höhepunkt im Jahr 2000 in den kommenden acht Jahren zunächst leicht, bevor sie danach neue Rekordmarken erreichte. Die Gründe hierfür waren vielfältig. Die klassischen Förderländer Australien, Kanada, Südafrika und USA erlebten einen starken Rückgang der Produktion. China dagegen sah im Rahmen des wirtschaftlichen Wandels einen starken Produktionsanstieg. Doch der Haupteffekt trat durch das nachhaltige Wachstum der Goldproduktion in den Gold-„Entwicklungsländern“ ein, die den Rückgang der Hauptförderländer um mehr als 400 Tonnen mehr als ausglichen.  

 Während im Jahr 2002 die USA noch knapp 300 Tonnen Gold produzierten, ging die Förderung in den kommenden zehn Jahren auf 238 Tonnen zurück. Dabei konzentrierte sich die Produktion auf immer weniger Gesellschaften. Sechs Unternehmen - Newmont, Barrick, Placer Dome, Kinross, Kennecott und Anglogold Ashanti -standen 2005 für 86% der amerikanischen Förderung. Und Kennecott war vorwiegend Kupferproduzent, Gold fiel nur als Nebenprodukt an. Mit der Übernahme von Placer Dome durch Barrick (2006) und der Fusion von Kinross mit TVX und Echo Mines zur neuen Kinross (2008), setzte sich die Konzentration weiter fort. Generell pflegten die Unternehmen ihre amerikanischen Minen, aber der Schwerpunkt der Investitionen lag vor allem in Südamerika und Ozeanien, wo neue große Minen entwickelt wurden.

Wie die USA so sah auch Kanada in dieser vierten Phase zunächst einen weiteren Rückgang der Produktion um 152 Tonnen auf unter 100 Tonnen (2008), ehe sich die Produktion bis 2012 wieder leicht auf 108 Tonnen erholte. Die Fusion von Barrick und Placer Dome führte zu veränderten Kräfteverhältnissen in der kanadischen Förderung. Da Barrick sich vermehrt auf die internationalen Aktivitäten konzentrierte und einen Teil des Kaufpreises finanzieren musste, gab man die kanadischen Minen an Goldcorp ab, die dadurch zum führenden Produzenten in Kanada wurden. Die Goldpreis-Rallye löste eine Welle von "Mergers und Acquisitions" aus, die die Besitzverhältnisse in Kanada nachhaltig veränderten. Am Ende des Jahrzehnts gingen dann auch neue Goldminen in Betrieb, so z. B. Casa Berardi, Meadowbanks, Goldex (ab 2008). Fünf weitere Minen mit einer Jahreskapazität von ca. 40 Tonnen kamen ab 2011 noch hinzu. Erwähnenswert sind vor allem Osisko’s Canadian Malartic Mine (2011) und die Detour Lake Mine (2013).

 Australien schaffte es seine Goldproduktion von 2002 bis 2012 auf relativ hohem Niveau zu verstetigen. Der Rückgang von 266 Tonnen auf 252 Tonnen hielt sich in sehr engen Grenzen. Dahinter verbargen sich jedoch dramatische Veränderungen in den Besitzverhältnissen. Die Dominanz ausländischer Gesellschaften wurde immer stärker. 2002 bildete eine Zäsur: Die kanadische Placer Dome kaufte Aurion Gold und die US-amerikanische Newmont übernahm das größte australische Goldunternehmen Normandy. Nach dem Konkurs von Sons of Gwalia (2004) und der Übernahme von Placer Dome durch Barrick (2006) hatte sich das Bild der australischen Goldproduktion nachhaltig geändert. Der Trend zur Größe und zur Zusammenlegung von Minen war deutlich erkennbar. Die sieben größten Gesellschaften Newmont (USA), Barrick (Kanada), Newcrest (AUS), Goldfields (RSA), Anglogold (RSA) und Harmony (RSA) produzierten jetzt 70% der Gesamtmenge in Australien. Mittelgroße Gesellschaften mit einer Jahresproduktion von mehr als einer Tonne Gold existierten fast nicht mehr. Im Ergebnis befand sich  nun fast 60% der Goldproduktion in ausländischer Hand. Nur Newcrest hielt noch die Stellung als großer heimischer Produzent.

 Einen steilen Abschwung der Goldproduktion erlebte Südafrika in Phase vier. Die politische Sonderentwicklung dieses Landes nach dem Ende des Apartheitsystems und der Machtübernahme durch den ANC wirkten sich vielseitig aus. Nach den freien Wahlen 1994 und der Wahl Nelson Mandelas zum Präsidenten, strebte die neue Regierung eine stärkere Beteiligung der einheimischen afrikanischen Bevölkerung an der nationalen Wirtschaft an. Nach langjähriger Debatte  über die zukünftige Gesetzgebung im Bereich Energie und Mineralien, sorgte das endgültig im Oktober 2002 in Kraft getretene Gesetz „The Minerals and Petroleum Resources Bill“ dann für Klarheit. Alle Minengesellschaften mussten sich um neue Lizenzen bemühen und dafür weitgehende Auflagen nach dem „Black Economic Empowerment Act“ erfüllen. Zu den befürchteten Enteignungen kam es zwar nicht, aber der Druck auf die zumeist in ausländischem Besitz befindlichen Unternehmen war enorm. Sie hatten zum Teil bereits im Vorfeld mit Umstrukturierungen reagiert. Die bisher meist integrierten Bergbaukonzerne teilten sich in Einzelunternehmen auf, die sich auf spezielle Produkte wie Gold, Diamanten oder Platin spezialisierten. Produzierten die fünf größten Minengesellschaften Anglogold, Goldfields , Harmony, Avgold und Durban Roodeport Deep (DRD) im Jahre 2002 mit 312 Tonnen ca. 78% der südafrikanischen Goldförderung, so sank die Produktion in nur zehn Jahren auf gerade noch 177 Tonnen. Größere Investitionen wurden außerhalb Südafrikas getätigt. Selbst Anglogold überführte 2012 seine letzten Minen KDC und Beatrix in eine neue, in Johannesburg börsennotierte Firma, Sibanye und behielt nur die Deep South Mine mit jährlich marginalen sechs Tonnen Goldproduktion.

Der Niedergang des jahrzehntelangen Goldchampions Südafrika war unaufhaltsam. 2007 löste dann China Südafrika in der Rolle des führenden Goldproduzenten der Welt ab. Doch damit nicht genug: 2012 befand sich Südafrika nur noch auf Platz 5 und war von den USA, Australien und  Russland überrundet worden.

China und Russland erlebten ein stetiges Wachstum, nachdem dort einige privatwirtschaftliche Kräfte zugelassen worden waren und die Goldförderung starke politische Unterstützung erhielt. Der Anteil dieser Länder an der Gesamtproduktion erhöhte sich zwischen 2002 und 2012 von 13% auf 22%. Die Struktur der Goldproduktion war in beiden Ländern – und sind es zum Teil noch heute – sehr stark fragmentiert.

Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2003 ergab für die chinesische Goldproduktion folgendes Bild: Landesweit waren 20 goldproduzierende Unternehmen in der Lage, mehr als eine Tonne Gold, das entspricht 32.151 Unzen, zu fördern. Die Gesamtproduktion dieser 20 Unter-nehmen belief sich in 2003 auf 82 Tonnen Gold, entsprechend 41% der chinesischen Jahresproduktion. Unglaubliche weitere 1.190 Unternehmen produzierten die restlichen 59%.

 

Zehn Jahre später (2013) hatte sich das Bild nur wenig verändert. Allerdings gab es eine Bewegung zu größeren Unternehmenseinheiten, so dass die 10 größten Produzenten jetzt 46% der Förderung auf sich vereinigten. Die drei wichtigsten Unternehmen waren die China Gold Group (mit den Tochterunternehmen Zhongjin Gold Corporation und China Gold International Resources), Shandong Gold Group (mit Shandong Gold Mining Stock Company) und Zijin Mining. Alle genannten Firmen sind keine reinen Goldproduzenten. In der Regel sind es Minengesellschaften, die auch andere Industriemetalle wie Kupfer, Zink, Blei etc. fördern und verkaufen. Zudem sind einige Firmen stark im Goldhandel aktiv, was es schwer macht, die nur mit der eigenen Goldgewinnung erzielten Umsätze festzustellen. Der staatlich geförderte Konzentrationsprozess hatte die Zahl der Goldminen in den zehn Jahren bis 2012 deutlich reduziert, umfasste aber immer noch ca. 600 Minen.

Wie in China verteilte sich auch in Russland die Goldproduktion auf viele kleine Gesellschaften. Bei einer Gesamtausbeute von 168 Tonnen (2002), wurden über 600 kleinere Goldunternehmen gezählt. Die meisten gewannen Gold aus alluvialen Quellen, vor allem im Osten des riesigen Landes. Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion, die die Goldförderung als Staatsgeheimnis behandelt hatte, bildeten sich in den neunziger Jahren neue Strukturen. Große Teile des Rohstoffsektors gingen in private Hände über. Für Außenstehende waren die Wechsel oft schwer nachzuvollziehen. Zu den großen Privatisierungen gehörte auch der Welt größter Nickelkonzern, Norilsk Nickel. Dessen Goldaktivitäten wurden bei Polyus Gold zusammen gefasst, den er 2002 übernommen hatte. Polyus/Norilsk Nickel erwarb bald weitere Unternehmen und wuchs mit dieser Strategie zum größten russischen Goldproduzenten. Weitere, sich durch Fusionen und Übernahmen herauskristallisierende Unternehmen waren Polymetal, Kinross, Petropavlovsk, Nordgold, Ugold, Highland Gold, Vysochaisky und Susmanzoloto, die im Jahre 2012 ca. 70% der Produktion von 230 Tonnen auf sich vereinigten. Die meisten Unternehmen befinden sich in russischem Besitz, eine Ausnahme bildet nur die kanadische Firma Kinross mit ihrer Kupol Mine in Sibirien.

 

Gold-Produktionswachstum in Tonnen zwischen 2002 - 2012 nach Erdteilen.

(Ohne die Hauptförderländer China, Russland, Australien, Kanada, Südafrika und USA)

 

 Dass die Welt-Goldproduktion sich in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts zwischen 2002 und 2012 deutlich erhöhte, ist auf das starke Wachstum der Goldförderung aus „nichtklassischen“ Goldländern zurückzuführen. 2002 besaßen die sechs klassischen Förderländer Australien, China, Kanada, Russland, Südafrika und USA ca. 59% Marktanteil, was zusammen 1.485 Tonnen entsprach. Alle anderen Länder kamen auf 1.044 Tonnen Gold. Durch einen Zuwachs um 430 Tonnen in diesen Ländern kehrte sich die Relation im Jahre 2012  um. Die „restliche“ Welt kam auf 1.477 Tonnen und damit 49 % Marktanteil, während die sechs klassischen Länder 1.412 Tonnen bereitstellten. Seit Jahr 2009 kam der überwiegende Anteil der weltweiten Goldgewinnung aus den nicht klassischen Förderländern.

 Die folgende Tabelle zeigt, welche Länder in diesem Zeitraum ein besonders starkes Produktionswachstum von mehr als 20 Tonnen erreichten. Hier ragt Mexiko besonders  heraus, das seine Produktion von zwanzig Tonnen auf über 100 Tonnen verfünffachte.

 

Land

Produktion

 

 

2002

in to

2012

in to

Zuwachs

in to

 

 

 

 

Mexiko

21

103

82

Burkina Faso

-

31

31

Kazakhstan

11

40

29

Peru

157

184

27

Surinam

-

27

27

Brasilien

42

67

25

Argentinien

33

55

22

DRC

-

26

26

Türkei

5

29

24

Sudan

5

28

23

 

 Allerdings resultierte dieser starke Förderanstieg nicht aus inländischen Aktivitäten, sondern wurde überwiegend von finanzstarken ausländischen Bergbauunternehmen angetrieben. Sie konnten die hohen Kapitalanforderungen für den Aufbau einer Mine darstellen und brachten das notwendige technologische und bergmännische Knowhow mit. Allerdings sicherten sich immer mehr Regierungen einen Besitzanteil an den Unternehmen bzw. profitierten über Steuern und Abgaben von der Goldproduktion. Zudem wird als völlig neuer Aspekt in den Jahresberichten vieler Unternehmen, die volkswirtschaftliche Leistung ihrer Tätigkeit für das betreffende Land und seine Bewohner explizit dargestellt.

Es fällt auf, dass in Afrika der Anteil ausländischer Bergwerksgesellschaften besonders hoch ist. Dagegen gibt es in Mittel- und  Südamerika auch viele kleinere einheimische und in privater Hand befindliche Unternehmen. Sie stehen oftmals für den überwiegenden Anteil an der Landes Goldproduktion. Hinzu kommen z.B. in Brasilien, Peru und Kolumbien auch viele sehr kleine Gesellschaften und einzelne Goldschürfer, die die alluvialen Goldvorkommen erschließen. Aufgrund der hohen Kapitalkosten sind aber die großen Goldminen in diesen Ländern nahezu alle im Besitz der großen internationalen Unternehmen. Eine Ausnahme bilden in Lateinamerika nur die beiden Unternehmen Compania de Minas Buenaventura in Peru und Minera Frisco in Mexiko, die beide auf eine lange Tradition im Silber- und Goldbergbau zurückblicken können.

 


Die Goldproduktion der letzten 50 Jahre

Produktionszyklen, Unternehmen, Länder

 

von Bernd Kröger

 

Verlag: Books on Demand

ISBN: 9783744883320

 

260 Seiten, 80 Farbabbildungen, 31 Tabellen

 

Preis: 39,00 €

Inhaltsverzeichnis

 

Prolog

Überblick über die Goldförderung bis zum Jahr 1968

Die fünf Phasen der Goldproduktion seit 1968

     Phase 1: Die Befreiung des Goldpreises - Abschwung und Zeiten der

                      Unsicherheit 1968 - 1980

     Phase 2: Goldpreis-Rallye und neue Minen 1980 - 1990

     Phase 3: Preisstagnation und Förderwachstum von 1990 - 2002

     Phase 4: Die lange Rallye von 2003 - 2012

                      Hedge-Verluste durch steigenden Goldpreis

                      Mergers and Acquisitions 1996 - 2010

     Phase 5: "Cash is King" - der große Absturz 2012 - 20xx

 

Die großen Förderländer: USA, Kanada, Südafrika, UdSSR (Russland), 

Australien und China

Die Goldförderung in den USA seit 1968

Die Goldförderung in Kanada seit 1968

Die Goldförderung Südafrikas seit 1968

Entwicklung der Goldproduktion in China

Entwicklung der Goldproduktion in Australien

Entwicklung der Goldproduktion in Russland

 

Geschichte der 15 "Gold-Millionäre"

  1. Barrick, 2. Newmont, 3. Anglogold Ashanti, 4. Goldcorp. 5. Kinross, 6. Newcrest,

  7. (Navoi MMC), 8. Goldfields, 9.  Polyus Gold, 10. Agnico Eagle, 11. Sibanye, 

 12. Zijin, 13. Yamana, 14. Randgold, 15. Harmony

 

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Index