Phase 3: Preisstagnation und Förderwachstum von 1990 - 2002

 

Welt-Goldproduktion im Zeitraum 1990 - 2002

Der Beginn des letzten Jahrzehnts im vorigen Jahrhundert ist geprägt von großen Veränderungen in der geopolitischen Landschaft. Mit dem Fall der Berliner Mauer, der deutschen Wiedervereinigung und dem Zerfall der Sowjetunion in Einzelstaaten wurde das Ende des Kalten Krieges eingeläutet. Für die Goldproduktion wichtig waren zudem die Befreiung Nelson Mandelas aus der Haft und das Ende des Apartheidsystems in Südafrika. Eine neue Verfassung, neue Minengesetze und die Black Economic Empowerment Bewegung führten zu einer Konsolidierung der dortigen weltgrößten Goldindustrie. Und in China zeigten die von Deng Xiaoping eingeleiteten pragmatischen Wirtschaftsmaßnahmen erste Erfolge, die den regionalen Verantwortlichen mehr Handlungsspielraum ließen. Der Goldpreis blieb von diesen politischen Entwicklungen zunächst relativ unbeeindruckt. Er oszillierte bis 1996 knapp unterhalb des Wertes von 400 Dollar pro Unze. Erst danach begann er zu fallen und gab schließlich zum Jahrtausendwechsel auf 270 Dollar nach. Dies führte, bei ständig steigenden Kosten der Produktion, zu finanziellen Engpässen bei vielen Goldminengesellschaften. In der ersten Hälfte der neunziger Jahre erhöhte sich die Goldproduktion nur wenig. Erst ab 1996 änderte sich dies, als neue Minen ihre Produktion aufnahmen und den stetigen Rückgang der Goldförderung in Südafrika überkompensierten. Während die Produktion in Südafrika um ca. ein Drittel, von jährlich 600 Tonnen (1990) auf nur noch 400 Tonnen (2002) verringerte und die Förderung in den klassischen Goldländern USA, Kanada, Australien, Russland und China bei 1.100 Tonnen konstant blieb, stieg im selben Zeitraum die Produktion in der restlichen Welt um 600 Tonnen an, von 400 Tonnen auf über 1.000 Tonnen. Die bisherigen „nichtklassischen“ Goldländer wie Indonesien, Papua Neu-Guinea, Peru, Mali und Tansania erwiesen sich als Wachstumstreiber der neunziger Jahre. Allerdings waren die dahinterstehenden Minengesellschaften keine Unbekannten, es waren die großen Unternehmen aus den USA, Kanada, Australien und Südafrika. Diese Internationalisierung der Goldproduktion hatte vielfältige Gründe. Zum einen waren es restriktive gesetzliche Beschränkungen und höhere Umweltschutzauflagen, bspw. in Nordamerika. Oder es bestanden Sorgen einer möglichen Verstaatlichung, wie in Südafrika durch die Black Economic Empowerment Bewegung. Zudem ließen sich in den gut explorierten Gebieten in Kanada, den USA oder Australien größere Vorkommen nicht mehr so leicht finden. In den weitgehend wenig erforschten Gebieten des pazifischen Feuergürtels oder in Südamerika waren die Chancen deutlich besser.

 

Das Jahr 1998 kennzeichnet den Höhepunkt der US-amerikanischen Goldproduktion. Gleichzeitig machten der weiter fallende Goldpreis (bis 2001)und die stark steigenden Kosten ernste Sorgen. Viele Minen wurden unrentabel. So schlossen in nur drei Jahren, von 1999 bis 2001, 33 Minen ihre Pforten, das waren nicht weniger als ein Drittel aller betriebenen Goldminen. Hohe Lohnkosten und steigende Umweltauflagen bewirkten, dass die vorhandenen Explorationsgelder vermehrt nach Südamerika und Asien flossen. Infolge des schwachen Goldpreises setzte zunächst eine starke Konzentrationsbewegung im amerikanischen Heimatmarkt ein. Diese wurde von Newmont und Barrick angeführt, die im Carlin Trend in Nevada ihre „cash cows“ besaßen. Newmont fusionierte 1997 mit Santa Fe Gold und erhöhte dadurch seine Produktion um 850.000 Unzen jährlich. Barrick, das sich 1994 die LAC Minerals Corporation in Kanada einverleibt hatte und dadurch zum größten kanadischen Produzenten aufgestiegen war, sorgte mit der Übernahme der alteingesessenen Homestake Mining Corporation (2001) für einen weiteren Paukenschlag und vergrößerte seine Produktion um 2 Millionen Unzen. Im Gegenzug übernahm Newmont nahezu zeitgleich die kanadische Battle Mountain Gruppe und wurde durch eine weitere Fusion mit der australischen Normandy Gruppe zum weltgrößten Goldproduzenten (2002).

 

Ähnlich wie die USA sah auch Kanada 1991 den Höhepunkt seiner Goldproduktion. Auch hier sorgten steigende Kosten, Umweltschutz- auflagen und der schwächelnde Goldpreis für Probleme. 1989 waren noch über 70 Goldminen aktiv, in nur kurzer Zeit sank deren Zahl bis auf nur noch 25 Unternehmen ab. Bis 2003 mussten zahlreiche Minen wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit oder fehlender Reserven schließen. Von den führenden zehn Unternehmen im Jahr 2000 wiesen nur zwei einen kleinen Gewinn aus, die anderen acht kamen zusammen auf einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar. Doch trotz dieser rückläufigen Entwicklung gab es auch positive Meldungen. So nahmen mit Hoyle, Bousquet 2, Musselwhite, Casa Berardi und einige anderen neue Minen ihren Betrieb auf. Die wichtigste Neueröffnung war Goldcorps Red Lake Mine (2000), die schnell zur größten kanadischen Goldmine mit einer Jahresproduktion von 15 Tonnen aufstieg.

 

Südafrika erlebte Umwälzungen, die nicht nur die Goldindustrie, sondern alle Wirtschaftszweige erfassten. Die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und die Ankündigung freier Wahlen im Jahre 1994, nährten die Hoffnung, daß sich die rechtlichen und sozialen Verhältnisse ändern würden. Es war absehbar, dass der African National Congress (ANC) diese Wahlen gewinnen und Veränderungen durchsetzen würde. Das Gespenst von neuen Landbesitz- und Schürfrechten, bis hin zur Möglichkeit der entschädigungslosen Enteignung, spukte in den Köpfen der Investoren und des Managements der Unternehmen. Die neu gewählte Regierung ließ ab 1994 keine Zweifel daran, dass sie eine stärkere Beteiligung der einheimischen Bevölkerung von Schwarzafrikanern an den Unternehmen des Landes anstrebte. Auch wenn dies erst im Jahr 2003 im „Black Economic Empowerment Act“ kodifiziert wurde, so hatte die langjährige öffentliche Diskussion doch bereits erhebliche Folgen. Ab Mitte der 90er Jahre setzte daher eine Phase der Umstrukturierung und Entflechtungen ein, die nicht nur den Goldbergbau umfasste. Der seit 1970 zu bemerkende immer schnellere Rückgang der Südafrikanischen Goldförderung nochmals an Tempo zu. Insgesamt reduzierte sich die Jahresproduktion von 1.000 Tonnen (1970) auf nur noch 395 Tonnen (2001), Tendenz weiter fallend.

 

Im Gegensatz zu Südafrika erlebte Australien in den neunziger Jahren einen weiteren Aufschwung seiner Goldproduktion. Unterstützend wirkte dabei der schwache Wechselkurs des Australischen Dollars im Verhältnis zum US-Dollar. Erhielt man 1990 für einen US-Dollar nur 1,3 Australische Dollar, verschlechterte sich die Relation im Jahr 2000 auf ein Verhältnis von einem US-Dollar zu 2 Australischen Dollar. Da der Goldpreis in US-$ bezahlt wird, erhielten somit die australischen Unternehmen deutlich mehr Australische Dollar für ihr Gold bezahlt und konnten damit zum Teil die gestiegenen Lohn- und Produktionskosten ausgleichen. Die jährliche Produktion bewegte sich konstant über 250 Tonnen pro Jahr und erreicht mit 314 Tonnen ihren höchsten Wert (1997), der seitdem auch nicht mehr übertroffen wurde. Allerdings hatte die Wechselkursentwicklung auch einen gewaltigen Nachteil: in US-Dollar ausgedrückt war der Kaufpreis für australische Firmen ein Schnäppchen. Für den gleichen Unternehmenswert (von 1990) musste zehn Jahre später 35% weniger bezahlt werden. Die Folge war, dass einige australische Goldunternehmen, z. B. Normandy[2], versuchten durch eigene Aufkäufe zu wachsen, „teurer“ und damit vor fremden Übernahmen gefeit zu werden. Zum anderen griffen die Großen der Branche zu: Homestake Mining (USA) übernahm Plutonic Resources, Anglogold (RSA) sicherte sich Acacia Mining, Placer Dome (CDN) erwarb Aurion Gold. Nach einer Bieterschlacht zwischen Anglogold und Newmont (USA) wurde schließlich der größte australische Goldkonzern Normandy doch geschluckt. Newmont übernahm ihn 2002. Letztlich führten diese Aufkäufe und Fusionen dazu, dass sich nach dem Jahrtausendwechsel ca. 60% der australischen Goldproduktion in ausländischer Hand befanden.

 

Die Goldproduktion der neunziger Jahre wurde aber nicht nur durch Kaufwellen bestimmt, ausschlaggebend war die Internationalisierung des Geschäftes durch die großen amerikanischen, kanadischen und südafrikanischen Konzerne. Damit wurden neue Staaten zu bedeutenden Lieferländern, in denen zuvor alluviales Gold aus oberflächennahen Lagerstätten durch einzelne Gruppen von Goldschürfern gewonnen worden war. Die Tabelle zeigt diese Verschiebungen von 1990 bis 2002 für die acht größten Gold-Entwicklungsländer:

 

Land

Kontinent

Produktion 1990 in to

Produktion 2002 in to

Chile

Südamerika

28

37

Ghana

Afrika

16

70

Indonesien

Ozeanien

11

142

Mali

Afrika

2

56

Papua Neu-Guinea (PNG)

Ozeanien

34

61

Peru

Südamerika

9

157

Tanzania

Afrika

2

43

Usbekistan

Asien

80 (e)

86

Summe

 

182

664

 

Wachstum der Goldproduktion in den acht größten Entwicklungsländern der Goldförderung von 1990 bis 2002

Besonders auffällig sind die großen Sprünge in Indonesien und Peru. In Indonesien war es vor allem die 1988 in Betrieb gegangene riesige Grasberg Kupfer/Goldmine, mit einer Jahresproduktion von knapp 80 Tonnen Gold. Die von Newmont und Buenaventura 1993 eröffnete Yanacocha Mine, sowie die Pierina Mine von Barrick 1998 standen für den Aufschwung in Peru. Es ist sicherlich kein Zufall, dass der Zuwachs in der Goldproduktion in diesen Ländern von großen ausländischen Bergbaugesellschaften initiiert und getragen wurde. Neben technischen Kenntnissen in der Goldgewinnung waren große Finanzmittel nötig, um die Infrastruktur und den Aufbau der Minen in teils sehr entlegenen Gegenden zu realisieren. Barrick engagierte sich in Peru, Chile und Tanzania; Newmont war in Peru und Indonesien sowie Usbekistan tätig; Freeport McMoran in Indonesien; Anglogold in Mali, Ghana und Brasilien, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Bestand in den achtziger Jahren die Sorge, dass die Goldnachfrage nicht mit der steigenden Goldproduktion mithalten würde, so ließen diese Befürchtungen in den neunziger Jahren nach. Die Goldnachfrage zog weltweit deutlich an, insbesondere in Asien, da in China und Indien der Besitz von Gold wieder erlaubt wurde.  Zwischen 1992 bis 1996 waren Nachfrage und Angebot nahezu deckungsgleich. Dies änderte sich mit der Asienkrise 1998, als die Nachfrage in den betroffenen Ländern nachließ, während die Minenproduktion und die Abgabe von Gold durch Notenbanken zunahmen. Das World Gold Council kommentierte dazu:

 

 

“During this period demand was not sufficiently vibrant to cope adequately with the increased supply. Gold was out of favour for a number of reasons, including the strong dollar, a general economic boom and rapidly rising stock markets together with the increasing fears over the extend of official sector selling.”

 

Befürchtungen, dass die Notenbanken mit ihren Beständen von mehr als 30.000 Tonnen und ihren Abgaben in den Markt dessen Aufnahmefähigkeit überstrapazieren könnten, waren nicht unbegründet. Die Notenbanken veräußerten in den neunziger Jahren etwa 4.500 Tonnen Gold. Ab 1994 stiegen ihre Abgaben stetig, was die die Marktteilnehmer verunsicherte und zum Teil wohl auch den um 30 Prozent sinkenden Goldpreis (bis 2002) erklärt.

 

 


Die Goldproduktion der letzten 50 Jahre

Produktionszyklen, Unternehmen, Länder

 

von Bernd Kröger

 

Verlag: Books on Demand

ISBN: 9783744883320

 

260 Seiten, 80 Farbabbildungen, 31 Tabellen

 

Preis: 39,00 €

Inhaltsverzeichnis

 

Inhaltsverzeichnis

 

Prolog

Überblick über die Goldförderung bis zum Jahr 1968

Die fünf Phasen der Goldproduktion seit 1968

     Phase 1: Die Befreiung des Goldpreises - Abschwung und Zeiten der

                      Unsicherheit 1968 - 1980

     Phase 2: Goldpreis-Rallye und neue Minen 1980 - 1990

     Phase 3: Preisstagnation und Förderwachstum von 1990 - 2002

     Phase 4: Die lange Rallye von 2003 - 2012

                      Hedge-Verluste durch steigenden Goldpreis

                      Mergers and Acquisitions 1996 - 2010

     Phase 5: "Cash is King" - der große Absturz 2012 - 20xx

 

Die großen Förderländer: USA, Kanada, Südafrika, UdSSR (Russland), 

Australien und China

Die Goldförderung in den USA seit 1968

Die Goldförderung in Kanada seit 1968

Die Goldförderung Südafrikas seit 1968

Entwicklung der Goldproduktion in China

Entwicklung der Goldproduktion in Australien

Entwicklung der Goldproduktion in Russland

 

Geschichte der 15 "Gold-Millionäre"

  1. Barrick, 2. Newmont, 3. Anglogold Ashanti, 4. Goldcorp. 5. Kinross, 6. Newcrest,

  7. (Navoi MMC), 8. Goldfields, 9.  Polyus Gold, 10. Agnico Eagle, 11. Sibanye, 

 12. Zijin, 13. Yamana, 14. Randgold, 15. Harmony

 

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Index